Mittwoch, 8. Oktober 2008

Berliner Sommelier 2008 www.ritzcarlton.com

Rakhshan Zhouleh: „Herr der Weine“ und Berliner Sommelier 2008
Als Sommelier im The Ritz-Carlton, Berlin inszeniert Zhouleh Weinempfehlungen auf poetische Weise

Die Welt der Weine ist faszinierend und groß. Doch nicht jeder ist in diesem Fach Spezialist. Ob für Anfänger oder Wein-Gurus: Rakhshan Zhouleh (47) inspiriert mit seinen poetischen Versen und perfektioniert den Wein-Genuss. Seit 1. Juni 2007 ist Zhouleh Herr der Weine und neues Teammitglied im Gourmetrestaurant Vitrum. Seitdem bereichert er mit exzellenten Kenntnissen das Sternerestaurant Vitrum im The Ritz-Carlton, Berlin. Im Fachmagazin „Weinwelt“ wurde er „als einer der eigenwilligsten und illustresten Erscheinungen unter Deutschlands Sommeliers“ beschrieben. „Den Weinservice am Gast nutzt er als Bühne, er setzt sich, seine Weine in Szene, lässt mit Worten den Wein schon auf der Zunge schmecken, noch bevor er im Glase ist.“
Aufgewachsen in Teheran und nach zweijähriger Tätigkeit in einer Textildruckerei zog es Rakhshan Zhouleh 1985 zum ersten Mal nach Deutschland, zu seinem Bruder, der in Köln wohnt. Bevor er im Dom Hotel Le Méridien seine Ausbildung absolvierte, kellnerte er im Churrasco Restaurant in Köln, um sich sprichwörtlich „über Wasser zu halten“. Er lernte dabei nicht nur die deutsche Sprache sondern auch seine Liebe zur Dienstleistung und dem Service am Gast kennen. Obwohl noch sehr jung und unerfahren, hatte der Wein es ihm angetan. Während seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann ebnete eine Flasche Wein seinen Weg zum Sommelier: Durch Zufall traf er auf Franzosen, die verschiedenste Weine präsentierten. Einen einzigen davon probierte Zhouleh aus und er entschloss sich, Weinkellner zu werden. Der Grund: Die erdige Note des Weines hatte ihn an seine Kindheit erinnert. Damals handelte es sich um den Château Beaumont, Cru Burgeois Haut-Médoc, aus Bordeaux. Kurz darauf qualifizierte sich Rakhshan Zhouleh 1995 als Sommelier in der Wein- und Sommelierschule Koblenz. Formen, Farben, Geschmack und subtile Nuancen sowie Figuren bestimmen seitdem seine Arbeit und Lebensstil. Der sympathische und musisch veranlagte Weinkenner malt in seiner Freizeit (Öl, Aquarell und ganz neu auch mit Weindepot), schreibt Gedichte und arbeitet seit zwei Jahren an einem Weinroman, der später als Drehbuchvorlage dienen soll.
Inspiriert hat ihn eine ältere Dame aus seiner Zeit als Praktikant auf dem Weingut „Schwarzer Adler“ in Vogtsburg-Oberbergen (Baden). Hier lebte er mit insgesamt 200.000 Litern Wein, lernte Weine anzubauen und half bei der Lesezeit im Oktober. Sein Weg als Sommelier führte ihn 1995 vom Restaurant Français im Steigenberger Hotel Frankfurter Hof über das Restaurant „Die Ente vom Lehel“ im Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden bis nach Hamburg in das Restaurant Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten. Von dort ging es für drei Jahre nach Berlin in das Restaurant Margaux, seiner ersten Station als Chef Sommelier, und 2004 wieder zurück gen Norden in die Hamburger „Elb-Lounge“. Im Restaurant Vitrum des The Ritz-Carlton, Berlin ist Zhouleh Herr über 500 verschiedene Weine und verantwortlich für die Gestaltung der Weinkarte. Es gibt für Zhouleh zwei Weinregionen auf der Welt, die ihn stark beeindrucken: „Zum einen die Bordeaux Weine, die dynamisch, strukturiert, facettenreich und fast vergleichbar wie die „Spitze eines Berges“ sind. Und zum anderen die Burgunder Weine, die sinnbildlich für „vom Berg zurückzukommen“ stehen, um an einer Küste die Abenddämmerung in deren Stille, Weichheit, fast in einer Meditation zu beobachten.“
Weinempfehlung von Rakhshan Zhouleh:
• „Domaine de Chevalier Blanc“ / Jahrgang 2000 – Weingebiet: Pessac Léognan
• Weißer, trockener Bordeaux (0,75 Liter)
• Farbe: Leuchtendes, weiches Frühlingsgrün
• Duft: Floral nach weißen Holunderbeerblüten; subtil exotischem Steinobst wie Bergpfirsich und gelben Aprikosen; Kräutern aus dem Süden wie Eukalyptus
• Weinbeschreibung: Hierbei handelt es sich um einen sehr lagerfähigen Wein – je nach Jahrgang kann dieser bis zu 20 Jahre liegen; passt sehr gut zu Speisen, mit Estragon oder Safran-Jus gewürzt; Schalentiere wie Hummer oder Kaisergranat.

Vitrum ist lateinisch und bedeutet Glas. Das Gourmetrestaurant verfügt über 45 Sitzplätze und ist mit edelstem Marmor aus Italien, Dekorationselementen und Kronleuchtern aus Glas sowie spiegelverzierten Säulen ausgestattet. Eine Sonderausstellung mit Bildern des Künstlers Francisco Vallejo, präsentiert durch die Galerie „meisterschueler“, bildet einen interessanten Kontrast und rundet das Ambiente mit individuell gesetzten Lichtakzenten ab. Das Restaurant ist täglich dienstags bis samstags von 18:30 bis 23:00 Uhr geöffnet. Zusätzlich werden „Chefs-Table“ direkt am Ort des Geschehens, in der Vitrum-Küche, und Kochklassen auf Anfrage und nach Verfügbarkeit angeboten.
Anmerkung für die Redaktion: Hier ein Beispiel seiner schönsten Wein-Gedichte.

„Die vergessene Traube“

Ich wusste nicht, welches Jahr gerade war
Ich wurde immer ungeduldiger
Ich fühlte mich verlassen und allein
Es wurde immer kälter und kälter
Ich hatte keine Hoffnung mehr
Die Kälte hat sogar meine Erinnerungen betäubt
Selbst die Sterne waren gefroren
Unerwartet berührten die weichen, vertrauten Hände meinen Körper
Diese Wärme werde ich nie vergessen
Ich wurde umarmt
Schmelzend flossen die Tränen der Hoffnung
Eine lebhafte Begegnung
Eine Belohnung für viel Geduld
Ein Geschenk fast für die Ewigkeit

Bei dieser Dichtung handelt es sich um Eiswein, der einen wunderbar süßen Saft mit hohen Öchslegraden aufweist und aus überreifen Trauben hergestellt wird. Diese werden bei unter Minus sieben Grad Celsius gefroren geerntet und gepresst.

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