Diese Frage beschäftigt mich seit Tagen. Ohne Vorwarnung warf mir der sonst so wortkarge Tankwart dieses verbale Gehirnpuzzle über den Tresen. Was heißt frisch? Frisches Gemüse, frische Wäsche, frische Säfte ... gereinigt, geputzt, gelüftet, sauber? Können auch andere Dinge frisch sein?
Ich war bei der Frage so verdattert, dass ich spontan antwortete: "Ja, ich hab mein Herz geputzt". Was eigentlich heißen sollte, dass ich just an dem Tag meinen persönlichen (längst fälligen) Rundumschlag gemacht hatte: Das Bett frisch bezogen, die Wäsche frisch gewaschen aufgehängt, das Auto frisch gewaschen aus der Waschanlage gefahren und eine Herzensangelegenheit per E-Mail elimeniert, also mein Herz auch frisch gewaschen. Aber um bei der Frische zu bleiben: Ich kam auch noch frisch gereinigt aus der Sauna, kaufte Frischware wie Schinken, Obst und Gemüse ein. Und machte mir einen frischen Salat mit ganz vielen Vitaminen. Ach und ein Buch von Max Frisch habe ich an dem Tag auch noch ausgelesen.
Ich fand es wunderbar, von diesem Tankwart "geistig so gefordert" zu werden. Momentan überlege ich mir, wie ich ihn herausfordern könnte. Beispielsweise: "Na, gibts bei Ihnen auch Benzin zum Einfrieren?", "Wie sind die Aktien bei den gefüllten Erbsen?", "Skatet die Berufsschule gut?" oder - ach seinen Ausspruch könnte ich momentan nicht toppen. Also - bleiben Sie frisch ...
Ist Genuss eine Frage des Geschlechts? Ja, das behaupte ich als Frau. Männer lieben es deftig und heftig, Frauen eher sanft und zart. Meine Genuss-Theorie hört sich vielleicht für manche eher etwas steinzeitmäßig an, aber genau da begann alles. Die Männer waren Jäger und aßen Fleisch. Die Frauen sammelten Pflanzen und ernährten sich entsprechend anders. Ja und heute? Männer gießen sich Chilisauce über ihr Fleisch, dass es nur so brennt und Frauen zupfen an Salatblättchen, weil sie von Natur aus mehr auf ihre Figur bedacht sind.
Vor einigen Jahren wollte ich als Restauranttesterin bei Michelin starten. Ich tat es nicht, weil ich es mir wirklich nicht leisten kann, sechs Tage die Woche, dreimal am Tag, ein Fünf-Gänge-Menü zu essen (aus Hüftgold-Gründen und wegen der vielen Rumreiserei). Jedenfalls erfuhr ich bei der Gelegenheit, dass die Restauranttesterei zu 100 Prozent eine Männerdomäne ist. Ich fragte mich wirklich, ob Sterne an Restaurants nicht ganz anders vergeben würden, wenn die Gewichtung Mann/Frau beim Testen stimmen würde. Ich behaupte, dass es einen gewaltigen Ruck bei der Bewertung geben würde. Und warum? Ganz einfach, weil Frauen über ausgeprägtere Sinne verfügen. Sie würden alle Männer auf ihre Plätze verweisen! Das hat die Natur eben so eingerichtet, nicht die Emanzipation.
Egal, ob verliebt, verlobt, verheiratet, leicht verknallt oder "noch am Baggern", das Datum der Liebenden steht unmittelbar vor der Tür. Da helfen keine Ausreden wie "ich lasse mich nicht verkommerzialisieren! Ich schenke, wann ich will und nicht weil der 14.2. ist! Ich lasse mich nicht in konventionelle Schienen schieben!", die Liste der Ausreden ist lang. Jedoch, das Gesicht der Liebsten oder auch des Liebsten verrät schon, wenn dieses besagte Datum kurzum verschmäht wird. Sei es nur darum, dass die Freundinnen von irren Blumensträußen oder die Männer von wahnsinnigen Verführungsabenden erzählen, just geschehen an diesem Tag. Es wird also breitflächig der Neid geschürt, wer denn nun mehr verwöhnt worden ist. Und seien wir doch mal ehrlich, wollen wir von unserem Partner erzählen, dass er "sich nicht von der Kommerzschiene überrollen lässt und soooo intellektuell ist?" Und ihm insgeheim eigentlich vor lauter Enttäuschtheit eine runterhauen wollen?
Mein Tipp: Es muss ja nicht der große Blumenstrauß, das große Geständnis, der erwartete Ring oder die Verlegenheits-Pralinen sein. Besorgen Sie sich lieber rechtzeitig das kulinarisch-erotische Kochbüchlein "
Fingerfood for Lovers" vom Storia Verlag. Genießen Sie zuerst das "Lesefutter" und danach werden Sie sicherlich aktiv in der Küche, damit im Bett mehr Zeit bleibt und Sie jederzeit naschen können.
Gestern war ich mal wieder auf einer Weinprobe ... und die kann ja heftig enden, wenn man nicht fachgerecht in die Kübel ausspuckt oder auf nüchternen Magen die Weine zulange im Mund spült ...
Wir hatten ein Repertoire von über 200 Weinen zum Verkosten. Gerade bei Regionen, die man nicht so kennt, neigt die Neugier dann doch dazu, wirr gleich beim ersten Winzer die ganze Palette zu degustieren. Diesesmal verhängte ich mir selbst eine Art selektive Schlucksperre. D. h ich wählte mir einen Querschnitt von etwa 20 Degustationsweinen aus, die ich frei nach Namen wählte! Auch ein Kriterium. Also ließ ich mich von einer liebesroten Flüssigkeit anziehen, die "Fronton Egoiste" hieß. Ein überzeugender, prickelnder Roséwein, der mich in alberne Stimmung katapultierte. Parlierend über wärmere Temperaturen (in Berlin hatte es Minus 25 Grad) kam mir der weiße Vin de Table "Parfum de Vacances" (Duft des Urlaubs) gerade recht. Und was will man im Urlaub gerne? Natürlich laue Mondnächte, also probierte ich den "Vin de Lune" und liebäugelte mit dem "Grain d'Amour". Der Abend endete zwei Türen weiter im Karneval, doch davor hatte ich noch ein Schlückchen "Princesse Emilie" nicht mehr ausgespuckt.
Fazit: Liebe Winzer, Eure guten Weine verkaufen sich bestimmt noch besser, wenn ihr diesen kostbaren Flüssigkeiten einfach leidenschaftlichere Namen gebt. Und nicht so abtörnende Bezeichnungen wie z.B. "Kröver Nacktarsch", "Deidesheimer Garten" oder so ähnlich. Wie wäre es stattdessen mit "Liebeszauber", "Götternektar", "Aromablume", "Sommernachtsstrunk" oder "Rendevous"?
Auch wenn es denn mal wieder schnell gehen soll, möchte der Feinschmecker nicht auf Genuss verzichten. Am besten geht das mit dem Wok. Frische Gemüse von Möhren, Sellerie, Lauch, Zucchini, Sojabohnensprossen oder Champignons einfach klein schneiden. Zusammen mit etwas gewürfeltem Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln im Wok unter Schwenken anbraten. Mit einem Teelöffel Chilipaste würzen und mit Sojasauce beträufeln. Dazu gibt es Krupuk (frittiertes Krabbenbrot) und ruckzuck ist die Essensfrage gesund geklärt. Für noch schnellere Quickies empfehle ich: Eine Birne oder einen Apfel in feine Blätter hobeln und auf einem Teller breitflächig ausbreiten. Mit Parmesanspänen und klein geschnittenem Ruccola bestreuen und mit Aceto balsamico sowie mit Olivenöl beträufeln. Leicht salzen und pfeffern und fertig ist das köstliche Gericht. Dazu frisches Baguette und ein schönes Glas Rotwein genießen.
Vor etwa 50 Jahren wünschte sich die Contessa Amalie Nani Mocenigo ein Gericht , das "so leicht ist wie ein Flirt und so kapriziös wie ein Schmetterlingsflügel". Guiseppe Cipriani, Besitzer von Harry´s Bar in Venedig kreierte für die Contessa ein Gaumenerlebnis besonderer Art: rohes, hauchdünn geschnittenes Ochsenfilet mit einem Tupfen Salsa Universale. Das Ganze nannte er Carpaccio, nach dem venezianischem Maler Vittore Carpaccio, der für seine dünnen Farbschichten bekannt war.
Dieses Original diente so manchem "Kochkünstler" als kreative Kopie für oftmals schlecht zubereitete Plagiate. Das schlimmste, was ich jemals bestellt habe, war "Semmelknödelcarpaccio mit Parmesan und Pesto". Das zweitschlimmste war "Carpaccio vom Spargel mit Eiersauce". Die geschmacklichen Verbindungen waren daran sogar gar nicht schlecht. Doch - warum muss ein Name von einem Original so schändlich missbraucht werden, nur um, wie in diesen Fällen, auszudrücken, dass die Speisen dünn und breitflächig auf den Tellern ausgelegt werden? Beispiele gibt es zuhauf: Lasagne vom Fisch oder Tira mi Su mit Erdbeeren. Hallo Köche, seid doch einfach mal auch bei der Namensgebung kreativ: Geschichtete Nudeln mit Fisch, Beschwipstes Biskuit mit Erdbeeren - oder so ähnlich.
Je mehr der Fitnesswahn(sinn), die Diäten und die vielen Ratgeber zu allen erdenklichen Themen (z. B. wie halte ich mein Gewicht") überall in den Medien (auf)lauern, animiert mich gerade dies genau zum Gegenteil. Ich denke dabei an manche verschwendete 14 Tage, in denen ich mich kasteit habe und letztendlich nur 2 Wochen Genuss verloren habe. Und genau deswegen werde ich am Wochenende kulinarisch gnadenlos zuschlagen. Zuerst wird es einen ganz harmlosen gemischten Salat mit Grissini, die ich mit San Daniele Schinken umwickle - quasi Schinkengriffel, geben. Zum Hauptgericht werde ich ein riesig dickes Steak braten. Dieses lösche ich mit 1 Flasche Cognac ab. Sobald die Flüssigkeit aufkocht, werde ich 1/2 Flasche Sherry medium dazugießen. Während dem Reduzieren der Flüssigkeit werde ich sicherlich öfter umrühren und natürlich probieren, um auf dem jeweiligen Geschmackslevel mitreden zu können. Parallel dazu bewache ich die Süßkartoffeln, die roh in Scheiben geschnitten, in der 2. Pfanne brutzeln. Ob ich nach diesem Hauptgericht noch fit für ein Dessert bin, weiß ich nicht. Aber sicherlich werde ich mir ein Gläschen PX, Pedro Ximinez, einen mahagonifarbenen Sherry, gönnen und den Mund so richtig ausölen ... Das Dessert wartet allerdings im Kühlschrank: Tira mi Su, die Biskuits tränke ich mit süßem Sherry und Espresso und die Creme ist eine Mischung aus Mascarpone und Eierlikör. ... ach geht es mir gut, blöde Diäten.
Teenies interessieren sich nicht nur für Fastfood, Sex & Crime, nö, sie haben auch erstaunlicherweise das Kochen entdeckt.
Mit Jamie Oliver begann letztendlich alles. Es war hipp über Jamie zu parlieren und zum Thema Kochen auch mal was sagen zu können: "Habt ihr die Fleischklösschen aus der Thermoskanne schon probiert? " Oder "Jamies Schooldinner würde ich mir auch reinziehen..." Ja unsere Jugend entdeckt mit coolen Jungs das Kochen, wobei Zacherl ja nicht so der Hit war (laut Umfragen), aber Tim Mälzer gefällt allen. Du brauchst nur so ein T-Shirt mit rebellischem Aufdruck überziehen, dir dein Image mit Kahlrasur verpassen oder Bartstreifen durchs Gesicht ziehen und du bringst die Jugend zum Kochen.
Jungs schwärmen von Sarah Wiener, dass sie so sexy sei, wobei das egal ist, Hauptsache sie kriegen ein bisschen mit, was Sarah im Topf schmort.
Meine Beobachtungen machen mich sehr zufrieden, denn wir brauchten "krasse, coole Typen", die unserer Jugend per TV verklickern, was ihren Body auf Touren bringt und was ihn abtörnt. Die Botschaft ist angekommen.
Wer aber lieber liest, dem sei ein nettes "Koch-Lesebuch" zu empfehlen: "
Gequälte Brötchen", erschienen im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf. Die Autorinnen Jovanka v. Willsdorf & Crish Klose erzählen auf 180 Seiten über den lebensnotwendigen Luxus und dem Vergnügen vom Kochen.