Mittwoch, 4. Januar 2006

Notlügen sind manchmal erlaubt

Dem Genuss auf der Spur und dabei mehrmals die Woche auf den verschiedensten, kulinarischen Veranstaltungen verweilend - das birgt des Öfteren Überraschungen. In positiver wie auch in negativer Hinsicht.
Bei unliebsamen Kulinaritäten halte ich die Höflichkeit in Grenzen, denn meine somatische Intelligenz gibt mir ganz klar zu verstehen, wann ich mir persönlich eine "Mundsperre" verhänge.
Sicher bin ich durch meinen Beruf mehr zum Gourmet, als zum Gourmand geworden. D. h., dass ich grundsätzlich immer die Hälfte esse (schon aus Gewichtsgründen) und auch nur (wenn möglich) Gerichte esse, die ich noch nicht kenne (kommt selten vor). Doch ich lehne es ab, zu Tode frittierte Gummireifen (Tintenfischringe) oder geschundene, gebratene Fleischstücke zu essen, die saft- und kraftlos auf dem Teller liegen. In solchen Fällen verweise ich gerne darauf, dass ich Vegetarierin sei. Aber - es gibt auch die verkochten Gemüse, die labbrig und farblos in zu viel Fett schwimmen. Hier erwähne ich gerne, dass ich momentan ein Buch über Rohkost schreibe und natürlich immer das lebe, an dem ich gerade arbeite. Übrigens - im Dessertbereich kann man sich auch einige nette Allergien ausdenken. Z. B. bei Nüssen schwillt meine Lippe an etc., weil eben Nachspeisen bei der Herstellung auch ziemlich vergewaltigt werden können.
Ich denke, dass Notlügen erlaubt sind, wenn es einen körperlichen Angriff darstellt - quasi als Notwehr.
Anmerkung: Mein neues Buch "Rohkost aus dem Paradies" (erschienen im Seehamer Verlag) ist als bestes, vegetarisches Kochbuch 2005 in Deutschland, vom Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet worden.

Dienstag, 3. Januar 2006

Was sind das bloß für Typen?

Diese Hobbyköche! Die, vor denen keiner sicher ist, weil sie uns ihre Künste und vor allem ihr kulinarisches Wissen immer wieder gerne unter die Nase halten. Weinkenner sind sie natürlich auch und keine noch so verborgene Rebenproduktionsstätte ist ihnen fremd.
Vor allem hilft da nur eines: Die Einladung annehmen, auf selektives (Zu)Hören stellen, wohlwollend dem Künstler Ovationen schenken - und dafür ein wunderbares Essen mit ausgesuchten Weinen zu degustieren.
Aber - Sie können diesen Typ beobachten und nach meiner Auswahlliste entsprechend einordnen. Ist auch sehr hilfreich, wenn dieser Typ Hobbykoch als zukünftiger Lover/Partner/Mitbewohner oder was auch immer in Frage kommen sollte.
Typ Hobbykoch
a) Der Konservative - Hauptsache keine Experimente. Alles traditionelle Küche. Sushi, Tapas und Dim Sum sind für ihn exotische Inseln.
b) Der Chaot - Leidenschaft, Muße, Erholung, Experimente - alles ist für ihn eine Symbiose. Er ist für Überraschungen gut. Den Abwasch hinterlässt er entsprechenden Bewunderern.
c) Der Penible - Ordnung pur, am liebsten würde er die Spaghetti einzeln waschen und trockentupfen. Er kann nur explizit nach klaren Anweisungen aus Kochbüchern arbeiten.
d) Der Kosmopolit - Krokodil und Schlange hat er gegessen, über Pacific Rim und Crossover-Küche parliert er genauso wie über Adrian Ferrán oder über die besten Spätzle, die er jemals gegessen hat. Sehr neugierig und phantasievoll.
e) Der Eilige - steht für schnell und gut. Er verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Die Kücheneinrichtung ist eher spartanisch. Hält sich nicht mit Kleinkram auf.
f) Der Lustlose - isst und kocht sich quer durch die Esslandschaft, auch wenn es Fertigmahlzeiten sind. Kommt nur in Koch-Hochform , wenn er z. B. verliebt ist. Lässt sich aber anschließend gerne den Kochlöffel wieder aus der Hand nehmen.
g) Der Einfallsreiche - er beherrscht die Kulinarik mit allen Sinnen. Er zelebriert regelrecht Mahlzeiten, ist aber auch am Dönerstand anzutreffen und diskutiert mit vollem Mund über die Jahrhundertweingänge. Absolut liebenswert, weil ihm eben Qualität über alles geht.
Anmerkung: Wolfgang Joop ist ein begeisterter Hobbykoch, gibt sich als Küchen-Chaot und hat ein Kochbuch "Hectic Cuisine" (erschienen im Hölker Verlag) geschrieben.

Montag, 2. Januar 2006

Vom "Anfetten" und "Entfetten"

Wie sagte ein Redakteur einer Frauenzeitschrift so schön: "Von November bis Dezember werden unsere Leserinnen schön angefettet und im Januar dann entfettet".
Das ist vielleicht das Geheimnis der großen Auflagen, speziell in diesen Monaten, weil "Frau" in einem gewissen Alter noch alles glaubt, was in solchen Zeitschriften steht. Es klingt einfach zu verführerisch, dass Low-fat-Plätzchen nicht am Hosenbund kneifen, die Gans ja nicht ganz so fett ist und die kalorienreduzierten Rumkugeln nicht unbedingt ins Rumkugeln ausarten.
Im Januar ist dann wieder alles ganz anders: Sämtliche Diäten von Trennkost bis zur Ananas- und Sauerkrautdiät treten in Wettstreit, damit die Feiertagspfunde in rasanter Geschwindigkeit dahinschmelzen können/sollen.
Doch was ist die richtige Diät?
Diät heißt übersetzt schlichtweg Lebensform. Und genau das sollte man überprüfen, ohne mit Crashidäten nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu stressen. Mein Rat: Falls Sie sich zu dick fühlen, führen Sie einfach vier Wochen ein Ess-Tagebuch. Listen Sie alles auf, was Sie tagtäglich zu sich nehmen, auch die Getränke. Nach einer persönlichen Analyse, werden Sie bestimmt feststellen, wo Ihre individuellen "Fettnäpfchen" beseitigt werden können. Und als Fazit langfristig einfach vernünftig essen und trinken. Nur so können Sie den berühmten Jojo-Effekt eliminieren! Guten (H)appetit.

Samstag, 31. Dezember 2005

(K)eine verhängnisvolle Affäre

Silvester ohne Alkohol ist fast unmöglich, es sei denn, Sie trinken aus Prinzip keinen Alkohol, gehören einer entsprechenden Konfession an, die es verbietet oder vertragen ihn einfach aus gesundheitlichen Gründen nicht. Doch warum artet es immer in Katzenjammer aus? Weil wir zuviel trinken oder nicht fachgerecht trinken? Um einigermaßen gewappnet zu sein, sollte man eine "handfeste Unterlage" schaffen. Die kann z. B. aus einer feurigen Gulaschsuppe mit einem Extra Schuss Olivenöl, quasi nach dem Motto "Vorher feurig, nachher sauer", bestehen. Oder einer entsprechenden Vorsorge, das aufgelöste Aspirin-Sprudelwasser schon vorher als Prophylaxe, zu trinken. Die solide Grundlage einer deftigen Speise muss stimmen, dann hat der Alkohol auch ein richtiges "Bett". Wenn möglich, bleiben Sie bei einem Getränk und trinken Sie nicht durcheinander. Immer viel Wasser dazu trinken, damit das Gleichgewicht stimmt. Bei Wein z. B. wird empfohlen nur stilles Wasser dazu zu trinken, weil kohlensäurehaltiges Wasser den Alkohol zu sehr unterstützt. Und daran denken, bei einer langen Nacht immer wieder dazwischen kräftig essen, dann hat der "Kater" keine Chance. Und Sie wachen nicht mit einer "verhängnisvollen Affäre" ... auf.

Mittwoch, 28. Dezember 2005

Muss es immer Kaviar sein?

Meine schönsten Gourmet-Erinnerungen sind nicht mit Kaviar, Hummer, Champagner oder Rinderfilet verknüpft. Nein - sie sind mit Freunden an einem großen Tisch, mit viel Familie in trauter Runde, mit einem lieben Menschen auf der Picknick-Wiese oder mit Sportfreunden auf Hütten, friedlich schmausend, verbunden. Jedesmal gab es dabei einfache Küche, aber die Gerichte waren mit sehr guten Grundzutaten und viel Liebe gekocht. Ob nun ein hinterhältig scharfes Curry aus Indien, ein biederes Rahmgulasch mit viel Kartoffeln, knackige Rohkost und unverschämt duftender Ziegenkäse oder herzhafter Kaiserschmarrn mit viel Puderzucker, Mandeln und Rosinen. Der Geschmack liegt mir heute noch auf dem Gaumen. Essen schmeckt nur richtig in Gesellschaft, denn man teilt, man sorgt sich um den anderen, ob er noch was will, man tauscht unwillkürlich Rezepte aus und lüftet dabei einige Gewürzgeheimnisse. Man scherzt, man lacht, man fühlt sich wohl - und das Essen hat dabei die Menschen verbunden. Also, wenn Sie feiern oder einladen wollen: Denken Sie immer daran, dass es gute Grundzutaten sein müssen, um ein gutes Gericht kochen zu können. Ob Sie nun Spaghetti, Schnitzel oder einen Braten zubereiten, vollkommen egal. Hauptsache das Essen auf dem Tisch verbindet die Menschen. Und Kaviar wird doch sowieso nur gegessen, weil er als Statussymbol so teuer ist ... aber lesen Sie unbedingt den Kult-Klassiker von Mario Simmel "Es muss nicht immer Kaviar sein".

Sonntag, 25. Dezember 2005

Warmes Bad an Silvester?

Sinnieren Sie noch immer, was Sie an Silvester kochen sollen? Gehören Sie auch zu den (Genuss)Menschen, die so viele leckere Rezepte kennen und sich nicht entscheiden können? Eventuell kann ich Ihnen dabei helfen, ihr Rezeptekarussell im Kopf zu stoppen: Wie viele Personen kommen? Sind Eigenheiten wie Allergien zu berücksichtigen? Vegetarier oder nur Fleischesser? Heutzutage is(s)t es nicht mehr so einfach, getreu dem Motto: "Friss oder Stirb", einfach den Pott auf den Tisch zu stellen.
Doch wie wäre es mit einer Bagna Caouda? Jenem "warmen Bad" aus Italien, in das Köstlichkeiten aller Art gedippt werden können. Im Originalrezept zwar nur Rohkost, aber wir sind ja flexibel. Schälen Sie dazu 3 Knollen Knoblauch (oder mehr) und kochen Sie diese Zehen in 1 Liter Milch bei mittlerer Hitze in etwa 45 Minuten zu Brei. Gehen Sie dann mit dem Mixstab durch den Topfinhalt und gießen Sie etwa 250 ml gutes Olivenöl dazu. Mit zwei gehackten Sardellen und grob geschrotetem Pfeffer ist die Würzung perfekt. Dann umfüllen in den Fonduetopf und auf den Tisch stellen. Jeder kann nach Lust und Laune dippen: Brot, Champignons, Rosenkohl, Zucchini, Fenchel, Garnelen, Birnen- und Apfelstücke, Paprika, Schinken, Oliven - alles was das Herz begehrt. Wenn die Flüssigkeit langsam einkocht, immer wieder Brühe oder Wein einrühren. Und keine Angst vor dem Knoblauch, denn er ist entsprechend eingekocht und nicht mehr so duftend gefährlich. Ich wünsche Ihnen einen schönen Schubser nach 2006, auf dass die Korken knallen wollen!

Donnerstag, 22. Dezember 2005

Je heiliger die Zeit, desto böser die Leut!

Letztens im Radio wusste ein Hörer nicht, warum wir Weihnachten feiern, geschweige denn, wo das Jesuskind geboren wurde und wie die Heiligen Drei Könige hießen. Das ließe man ja noch durchgehen, wenn dieser Hörer, der ja bestimmt stellvertretend für eine Menge von Menschen steht, sich bewusst wäre, dass Weihnachten auch was mit Besinnung zu tun hat.
Apropos Sinne, die sind es wert, dass man sie öfter schleift, "bekuschelt" und notfalls nur streift. Lassen Sie sich doch fallen und gehen Sie dem Kommerz, dem Geschenkerummel und der hektischen Vorbereitung aus dem Wege. Es ist ganz einfach: Nicht mit der Masse mitmachen. Ganz gezielt im eigenen Kreis die Geschenke abschaffen oder reduzieren. Denn, können wir uns noch über jedes einzelne Geschenk freuen oder ist es nur ein Austausch von sogenannten Höflichkeiten? Mein Vorschlag für entspannte Tage: Einfach das tun, wonach einem ist. Im vertrauten Kreis auf schöne Gespräche bauen, die Seele kitzeln, das Herz sprechen lassen. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Leserinnen eine herzerwärmende Weihnacht mit menschlichen Geschenken!!!

Dienstag, 20. Dezember 2005

Freunde isst man nicht!

Die Natur hat es so eingerichtet, dass alles was wir essen, vorher sterben muss. Ob nun der Tiger das Zebra frisst, das Zebra den Blätterbaum abnagt, der Vogel die Würmer verspeist oder der Mensch Fleisch, Fisch und vegetarische Lebensmittel isst. Das ist der Kreislauf unseres Lebens, ohne den unser Überleben nicht gesichert wäre.
Doch wie mutet es sich an, wenn, wie in meiner Kindheit geschehen, es an Weihnachten Gans gibt und wir vorher mit jener noch munter spielten und ihr sogar einen Namen verpassten? Es herrschte Revolte am Tisch und wir bezichtigen unsere Eltern als "Gänsemörder".
Oder Sie bestellen Fisch im Restaurant und bekommen ihn als Ganzes serviert. Beim Anblick der traurigen Augen habe ich schon oft behauptet, ich wäre praktizierende Buddhistin und schob die Platte meiner Begleitung zu.
Unlängst saß ich in einem Restaurant, das in ein Aquarium eingebettet ist. Wir bekamen alle Sushi, gebratene Riesengarnelen und gegrillte Doraden. In unmittelbarer Nähe schwammen Haie und Rochen. Beim ersten Biss in das "tote Fischfleisch" fragte ich mich doch ernsthaft, was diese Fische wohl von mir denken: "Fischmörder?"



Wie gesagt, der Kreislauf der Natur lässt uns keine Wahl, aber wir sollten keine Freunde essen und nicht vor ihnen zu Kanibalen werden. Wohl gemerkt, das sind alles so adventliche Gedanken, die einem beim Essen durch den Kopf schwirren. Guten Appetit!

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