Während Simon & Garfunkel dereinst voller Sehnsucht ihre Heimreise besangen, blicken wir nach drei Wochen in Britsh Columbia eher wehmütig zurück. Welch ein phantastisches Land – was für eine tolle Reise. Calgary Stampede – die mächtigen Rockies - Bären, Adler und Grauwale, Wilderness und Camps, Steaks und Fisch, frisch auf den Tisch, jede Menge neuer Freunde. Dabei haben wir doch nur einen verschwindend kleinen Teil der Provinz im Westen Kanadas gesehen, so etwa von der Grösse des Saarlandes verglichen mit Deutschland.
Die Rückkehr in die Zivilisation gelingt mühelos in Vancouver, wahrscheinlich eine der schönsten Städte der Welt. Obwohl die Kriterien der Beurteilung sehr subjektiv sind, ist offensichtlich die Kombination vom Meer und den Bergen immer wieder faszinierend. Rückblickend auf die Summe der Erlebnisse, Emotionen und Eindrücke entsteht halt etwas Wehmut. Doch nehmen wir unsere Worte zum Abschied nicht als Floskel zum Ende der Reise, sondern als Versprechen, als Vorfreude auf ein Wiedersehen. Dieses Land kann man getrost zwei-, dreimal besuchen. Oder noch öfter. Schliesslich haben wir ja erst das Saarland gesehen. Thank you all. We’ll be back, folks.
Dieser Slogan erinnert mich immer an einen Cartoon von Jim Unger, in dem "our catch of the day is hamburger" angeboten wurde. Uns wäre doch beinahe ein ganz anderer Fisch ins Boot gegangen: ein riesiger Grauwal zog seine Kreise in der Bucht vor Tofino (an der Westküste von Victoria Island). Welch ein Schauspiel! Herzklopfen bis zu den Ohren!! Aber in díeser unbeschreiblichen Umgebung musste es natürlich Fisch zum Abendessen sein. Die Auswahl ist so gross wie die Portionen: Thunfisch mit Sesamkruste und Wasabi-Soja, der Hot Pot mit Lachs, Garnelen und Jacobsmuscheln, oder der Heilbutt mit Kräuterkruste - wer könnte das entscheiden. Also haben wir zu dritt einfach alles bestellt und uns gegenseitig kosten lassen - sehr zum Vergnügen unserer überaus aufmerksamen kanadischen Kellnerin. Als Wein ein Pinot Blanc vom Hester Creek (B.C.) Der heimliche Sieger war wohl der Hot Pot, Catch of the day aber war ein Heilbutt von unglaublichen 96 lbs, gefischt (oder geangelt?) gerade ein paar Seemeilen von hier von Larry Collier aus Oregon.
... hungrige Wanderer natürlich auch. Es ist ja nun beileibe nicht so, dass man in Kanada nur fette Freuden geniessen kann. Obwohl natürlich die Süssigkeiten und Kalorienbomben an jeder Strassenecke quasi im Vorbeigehen vernascht werden. Fünf Minuten im Mund - Fünf Jahre auf der Hüfte (Wenn's denn dabei bleiben würde!) Aber wenn du nach ein paar Stunden strammen Wanderns aus 2.400m Höhe, vollgepumpt mit frischer Luft und diesem leicht entrückten Blick zurück in die Zivilisation kommst, dann reduzieren sich deine Grundbedürfnisse sehr schnell auf ein mächtiges Steak, vor allem, wenn der Rückweg dich direkt am The Keg in Whistler vorbeiführt. Kämpfe nicht dagegen an. Lass dich treiben. Den Schweizern sagt man nach, mit Hilfe ihrer Kühe die beste Schokolade zu machen, die Kanadier zaubern aus einem guten Rind die besten Steaks der Welt. Das Baseball Sirloin ist so dick, dass man beim Braten auf dem Grill über "medium-rare" nicht hinauskommt. Eigentlich brauchte man zu diesen knapp 300 Gramm keine Beilagen, zumal die baked potatoe dem Steak im Gewicht nicht nachsteht. Wenn schon, denn schon - also mit sour cream. Schliesslich haben wir ja in den 6 Stunden in Bergen die 1.500 Kalorien, die vor uns auf dem Teller dampfen, locker verbrannt. Dazu einen herrlich kräftigen Shiraz. Die Verkrampfung in den Waden löst sich, das Lächeln kehrt zurück in die Gesichter. Nicht nur, weil wieder mal ein Klischee erfolgreich bedient wurde.
Hier in Kanada nicht in's Fettnaepfchen zu treten, ist verdammt schwierig. An jeder Ecke lauern Koestlichkeiten, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen.
"The Chocolatfactory" z.B. in Jasper. Schokoladige Baerentatzen mit kandierten Pecannuessen, kandierte Elchohren mit Schokoguss und eine Auswahl an etwa 20 Popcornsorten mit u.a. Ketchup-, Kirsch-, Wasabe-, Krauter- und Marshmellowgeschmack. In Banff sticht der Candyshop mit seinen ueber 40 verschiedenen Apfelsorten heraus. Dazu wird auch noch jede Apfelsorte mit Toffee-, den verschiedensten Schokoladen- sowie Nusssorten-, Zuckerglasuren und Candyvariationen ueberzogen. In Whistler ist die Eisdiele "Cows" ein Muss. Der Shop riecht intensivst nach frisch gebackenen Waffeln und Sahne/Milch. Das Pralineneis mit Chocostuecken ist gemein gut. Die Eisdiele ist leicht zu finden, weil sich immer eine Warteschlange davor bildet.
Fazit: Drei Wochen Urlaub in Kanada sind gewichtsmaessig nur mit viel Sport, so wie Trekking, Kanu fahren und Mountain Biken, zu ueberstehen. Aber eines darf ich nicht mehr machen, dass ich hungrig in den Supermarkt gehe. Die Auswahl ist einfach zu gross...
Wir waren in Kimberly, welche zu den hoechstgelegendsten Staedten in Kanada, mit ueber 1113 m, zaehlt.
Doch nicht genug, es ist auch die bayrischte Stadt, die ich hier (bisher) gesehen habe. Mitten in Downtown in der Fussgaengerzone jodelt eine riesige Kuckucksuhr. Rundherum sind Caf'es und Restaurants wohlig angerichtet, die alle bayerische Schmankerl von "Appelstrudel bis zu Schweinebraten mit Spaetzle (?) offerieren. Im "Platzl" gibt es Wienerschnitzel mit French Fries, Brezel mit einer Mass Bier und im Mozart' s natuerlich Mozartkugeln und Sachertorte. Ueberall ist eine "alpine/deutsch/oesterreichisch/bayerische Atmosphaere mit viel "Humdassa" und gewaltiger Brauchtumspflege von "Alpeneinwanderern" zu erkennen und zu (er)hoeren.(Hilfe - die Jodelei war am schlimmsten - und schon wieder urkomisch dabei).
In Calgary gibt es sogar den groessten Alpen-Import, dort koennen Sie alles kaufen und bestellen, was Sie aus Ihrer Heimat vermissen koennten. Aber als Touristin - und noch dazu fuer mich als Bayerin - ist es einfach eine "scheene Gaudi", dies alles zu beobachten.
Fazit: Dass es in Kanada eine sehr grosse deutsche Community gibt, ist bekannt. Jedoch wusste ich nicht, dass der "Bayern-Anteil" ueberwaeltigend gross ist.
Waehrend meiner Tour von Calgary nach Vancouver, entdecke ich im "alltaeglichen Leben" immer wieder nette Kleinigkeiten, die mich auch zum Schmunzeln bringen.
1. In Banff, der Berg- und Skitreffpunkt schlechthin in den Rocky Mountains, gefaellt mir das Ampelsystem. Sobald die Fussgaengerampeln auf Gruen schalten, zaehlt eine Uhr rueckwaerts die Sekunden. Man hat quasi 29 Sekunden zum Ueberqueren Zeit! (Vielleicht fuer aeltere oder gehandikapte Menschen interessant).
2. In Kanada gibt es in keinem Supermarkt Alkohol - auch kein Bier. Es gibt spezielle Liquor Stores, in denen jeglicher Alkohol zu bestimmten Zeiten verkauft wird. Also gut planen, wenn Bier am Sonntag fuer das Lagerfeuer gebraucht wird.
3. In jedem Hotelzimmer gibt es eine Vorrichtung, um Kaffee zu kochen. Auch Portionspakete Kaffee, Milch und Zucker liegen dabei. Das finde ich echt Klasse!
4. Unterschiedlichste Groessen von Trockenfleisch sind im Angebot, ob als Snack oder als Grossverbraucherpackung. Ich habe schon das Fleisch von drei verschiedenen Firmen probiert - und es schmeckt ausgezeichnet. Eigentlich wie geraeucherter Schinken.
Will einer eine Reise machen, dann wird auch gruendlich recherchiert, geplant und sich kundig gemacht.
Doch welcher Reisefuehrer passt zu einem? Die Qual der Wahl ist gross, oftmals entscheidet der Geldbeutel und meistens das Niveau, das man anstrebt. Bei Pauschalreisen bekommt man eh soviel Reiseunterlagen, dass ein Reisefuehrer gar nicht mehr noetig ist. Doch bei Individualreisen, bei denen alles "selbst in die Hand" genommen wird, von Unterkunft suchen, Reiseroute festlegen, Mietauto buchen, sich zwischendurch auch einfach (an)(ver)leiten lassen, was einem sonst noch gefaellt, ist man gezielt auf gute Reisefuehrer angewiesen. Bei meiner Reise durch Kanada, von Alberta bis British Columbia - von Calgary bis Vancouver - quer durch die kanadischen Rocky' s, habe ich mir den "Lonely Planet travelguide" fuer Kanada besorgt. Zwar bekommt man diese Guides fast nur in Englisch (auch den kanadischen), aber es soll auch schon einige in deutscher Sprache geben. Da ich aber sowieso in einem englischsprachigem Land verweile, sind die Informationen in Englisch perfekt.
Auch Restaurantempfehlungen habe ich schon angenommen, so auch in Fernie, einem kleinen Nest etwa 250 km suedlich von Banff. Dort wird die "Rip'n Richards Eatery empfohlen. Ich habe dort auf der Terasse, umrandet von riesigen Blumenkaesten mit den schoensten Geranien, sehr, sehr gut gegessen. Und super guenstig.
Fazit: Everything you need or want to know / ist in den Reisefuehrern von Lonely planet verzeichnet.
Wir besuchten in Calgary einen Austauschstudenten aus Muenchen, der nun schon ueber 1 Jahr hier in Kanada lebt. Georderte Lebensmittelwuensche aus Bayern, die er gerne von uns mitgebracht bekommen haette, konnten wir leider wegen der strengen Einreisebestimmungen nicht mitbringen: Bauernbrot, Brezen, geraeucherten Schinken, Leberkaese und speziellen Griessnockerlgriess. Leider!
Wir fragten ihn hier vor Ort, was er denn als typisch kanadisches Essen ansaehe. Oh - das moechte ich lieber nicht wiederholen: Pizzachops (Mikrowelle), Sushi, getrocknetes Fleisch (sehen aus wie Beefies) und Steak, Steak und nochmals Steak.
Wir luden ihn zu einem Essen ein, wobei er natuerlich in ein Steakrestaurant steuerte und dort ein dickes Sirloin Steak mit mashed Potatoes mixed mit Gorgonzola, Meerrettich und gruenem Spargel ass. Dabei sinnierte er darueber, was er am 4. August, seiner Rueckkehr nach Muenchen alles essen werde: Schweinebraten und Semmelknoedel, Kaiserschmarrn, Spaetzle mit Zwiebel-Rostbraten, Weisswuerste mit Haendlmeier-Senf und Brezen. Und natuerlich ein gscheites Bier. Momentan trinkt er das billigste Bier hier in Kanada - das Honeybeer.
Fazit: Ich bin ja noch einige Zeit in Kanada und werde sicherlich ueber das ultimative, kanadische Essen noch schreiben koennen. Aber momentan laueft mir bei dem Gedanken an Muenchner Bier und reschen Brezen auch das Wasser im Munde zusammen.
Ich bin noch immer der Frage auf der Spur, was das kanadische Essen genau ausmacht? Dazu war ich heute in einem "Original kanadian Restaurant" called "Maple Leaf" (das Ahornblatt ist das Wahrzeichen der Kanadier auf der Flagge).
Die Speisenkarte empfand ich eher als eine internationale Mischung, so war z.B. Bruschetta, Pizza, gegrillte Tintenfische, Spaghetti mit Vongole und Caesar' s Salat vertreten. Natuerlich liess ich diese Gerichte mit einer selektiven Verachtung gar nicht an mich heran, denn ich wollte ja original kanadisch essen.
Nach einer gewissen Gerichte/Filterung beim Lesen, hatte ich letztendlich die Wahl: Ich verspeiste keine mit Whisky eingelegten und gegrillten Spareribs, auch keine gemischte Platte mit Wildschinken und -pastete sowie kan. Kaese. Ich entschied mich fuer eine wunderbar gebratene Regenbogenforelle mit Apfel-Buttersauce als Vorspeise (!), danach wurde ein mit Aepfel gebratenes Tenderloin Steak mit mashed Potaetos und Cognac-Maiskolben serviert. Zum Dessert habe ich verschiedene Cookies probiert - mit viel kanadischen Kaffee.
Fazit: Ich habe mir sagen lassen, dass "Baer" nicht schmeckt. Anscheinend auch nicht im Angebot - muss ich aber noch genauer nachhaken.
Geraeucherter Elchschinken ist eine Delikatesse - gab' s zum Fruehstueck.